Die Eröffnung
Die Eröffnung. Tage bevor sich das Mercedes - Benz Museum zum erstenmal für das Publikum öffnete, rauschte es schon kräftig im Blätterwald. In fast allen Medien wurde das neue Mercedes - Benz Automobil - Museum vom holländischen Star - Architekturbüro UN Studio van Berkel & Bos hoch gelobt. Einige Redaktionen verglichen das Museum und die Ausstellung - von HG Merz in Stuttgart konzipiert und gestaltet - mit dem Centre Pompidou in Paris und dem Guggenheim - Museum in New York.
Richtig ist, dass es mit keinem anderen Museum seines Genres vergleichbar ist. Bei soviel Lorbeeren macht man sich als Besucher mit großen Erwartungen am Tag der Premiere auf den Weg. In der Tat ist die Skyline des neuen Mercedes - Benz Museum schon von weitem sehr beeindruckend. Je näher man dem Gebäude kommt und einzelne Details der Fassade aus Glas und Metall erkennen kann, umso größer wird die Spannung.
Der Einlass in den silbernen Zylinder forderte an den ersten Tagen von allen Besuchern ein Höchstmaß an Geduld: Die Warteschlange vor dem Mercedes-Benz Museum bewegte sich im Schneckentempo vorwärts. Ein bis zwei Stunden Wartezeit mussten durchschnittlich investiert werden, bevor man an den Museumswärtern vorbei ins Innere eingelassen wurde.

Außenfassade im Detail
Mercedes - Benz Museum Stuttgart - Zahlen und Fakten

Die Boliden
Als Besucher betritt man das Museum auf der unteren Etage und sieht erstmal einen leeren, luftigen Raum. Wo sind die Exponate? Die Autos? Noch ist nichts zu sehen. Vom Counter in der Mitte des Raumes wird man zu einem der 3 Aufzüge geleitet, die die Besucher nach oben bringen. Auf dem Weg 50 m nach oben bekommt man Einblick in die Etagen und jetzt kann man auch die ersten Ausstellungsstücke sehen. Schwarz-Weiss-Filme an den Wänden bewegen sich mit den Aufzugskabinen nach oben mit und geben erste Eindrücke aus den Pionierzeiten des Automobils.
Auf insgesamt 9 Ebenen mit einer Grundfläche von 4.800 Quadratmeter und einer Ausstellungsfläche von 16.500 Quadratmeter sind 1.450 Exponate untergebracht.
Darunter sind 160 Automobil-Exponate mit 80 Pkws, 40 Nutzfahrzeugen und 40 Renn- und Rekordfahrzeugen, 1 Wasserfahrzeug, 2 Luftfahrzeugen, 3 Schienenfahrzeugen und 19 Motoren zu sehen.
Das Museum mit einer Ausstellungsfläche von 16.500 Quadratmetern stellt insgesamt 1500 Exponate in zum Teil 33 Meter weiten Räumen aus, die auf Stützen verzichten und dennoch schwere Busse und Nutzfahrzeuge tragen können. Dies und die Fülle an interessanten Modellen in einer überwältigenden Architektur ohne geschlossene Räume und geraden Wänden wirft ein neues Licht auf die Marke, deren Image mit dem 150 Millionen Euro teuren Museum deutlich aufpoliert wird.
Mercedes-Benz Museum Stuttgart - Das Gebäude
Das Besucherinteresse vor der Eröffnung war enorm. Mehr als 9.000 Besucher strömten den ganzen Tag über in die Ausstellung und selbst die Wolken über der Landeshauptstadt Stuttgart konnten die Besucher nicht abhalten. Und sie strömten aus allen Richtungen, Automobil-Fans aus allen Nationen, von Nah und Fern standen geduldig an. Wer wieder aus dem Gebäude heraus kam, sagte zurecht, dass sich die Anstrengung gelohnt hat.
Von Außen betrachtet setzt das Museum allein durch seine runde, glattpolierte Form neue Maßstäbe und lassen es zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt Stuttgart werden. Im Inneren kommt man erstmal aus dem Staunen nicht heraus, denn das gewaltige Atrium mit einem Stern als Himmel verdichtet sich zu einem intensiven Raumerlebnis.
Nicht nur Äußerlich, auch Innerlich setzt sich die klug durchdachte Konstruktion fort: Die Doppelhelix als Raumprinzip, der Kreis und Stern des Logos ... das Museum bildet die Geometrie des DaimlerChrysler Konzerns, der aus der Mercedes-Benz AG hervorgegangen ist, kongenial ab.
Die Warteschlange am Eröffnungstag
Mercedes-Benz Museum - Die Ausstellung
Mercedes-Benz-Museum - Die Ausstellung
Das Besondere dieses Museums ist sicherlich die Tatsache, dass das Mercedes-Benz Museum das einzige seiner Art ist, das die 120 Jahre alte Automobilgeschichte vom ersten Tag an darstellen kann. Diesem Anspruch sollte das Ausstellungskonzept gerecht werden. So symbolisiert das Prinzip der Doppelhelix 2 gegenläufige, trotzdem in sich verbundene Rundgänge. Entlang des ersten Rundgangs werden die Mythen dargestellt, die die Geschichte der Marke Mercedes-Benz erzählen. Jeder Mythos ist einer Zeitepoche gewidmet.
Der zweite Rundgang stellt sogenannte Collectionen aus, die das Markenportfolio beleuchten. Am Ende der Ausstellung sind Forschungsfahrzeuge ausgestellt, die Begeisterung für "Faszination Technik" wecken. Beide Stränge der Doppelhelix laufen jetzt zusammen und bieten den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen und gleichzeitig in die Zukunft.
Mercedes-Benz Museum - Geschichte und Zukunft
Im Mercedes-Benz Museum (das oft fälschlicherweise von Besuchern auch als Daimler Benz Museum bezeichnet wird) gibt es weder geschlossene Räume noch gerade Wände. Die innere Ordnung der Ausstellung von den Anfängen der Auto-Pioniere Daimler, Benz und Maybach bis zur Gegenwart und Zukunft des Konzerns erschliesst sich für die Besucher indes ganz auto - matisch. Man läßt sich treiben oder begeistern, man staunt wie ein kleines Kind oder bewegt sich zielgerichtet zum Objekt der Begierde: Alles ist möglich.
Stuttgart, die unscheinbare Perle im Süden Deutschlands, bekommt mit diesem Automuseum einen Wallfahrtsort für Technik-Fans, der die Sage der Tüftler und Denker aus dem Schwabenland auf lange Zeit festschreiben wird.
Text und Fotos: Bernd Schray
Mercedes-Benz-Museum - Geschichte und Zukunft

